Digitale Zukunftstage – Freystadt

Wie gelingt Jugendbeteiligung in einer Kommune mit 34 Ortsteilen? Die Digitalen Zukunftstage brachten rund 50 Jugendliche zusammen, um gemeinsame Zukunftsideen für Freystadt zu entwickeln.

Überblick

Infos zum Ort

Einwohnerzahl: 9.600 Einwohner, davon ca. 1.800 Kinder- und Jugendliche. (0 – 18 Jahre)
Landkreis:
Neumarkt in der Oberpfalz
Regierungsbezirk:
Oberpfalz

Rahmenbedingungen

Die Digitalen Zukunftstage fanden in Freystadt zwischen Ende April und Ende Mai 2026 statt. Hauptverantwortliche seitens der Kommune war die Gemeindejugendpflegerin Lisa Egger. Insgesamt nahmen zwei Schulklassen der Martini-Schule Freystadt am Projekt teil.

Das Projekt ergänzte die bestehenden Möglichkeiten der Jugendbeteiligung, die insbesondere durch die jährliche Jugendversammlung umgesetzt werden. Der Stadtrat unterstützte das Vorhaben mit zusätzlichen Mitteln, sodass eine zumindest teilweise Umsetzung der erarbeiteten Ideen von Beginn an möglich war.
Eine besondere Herausforderung für Beteiligungsprozesse in Freystadt ist die räumliche Struktur der Kommune mit ihren 34 Ortsteilen. Die Jugendlichen haben teils sehr unterschiedliche Lebensmittelpunkte und identifizieren sich nicht gleichermaßen mit dem Hauptort. Dadurch können bestehende oder neu geschaffene Angebote für einen Teil der Jugendlichen nur eingeschränkt

Ergebnisse Schulworkshops

Schwerpunktthemen

Ende April nahmen zwei Klassen der Mittelschule Freystadt an den medienpädagogischen Schulworkshops teil. Darin beschäftigten sich die Jugendlichen mit Verbesserungsmöglichkeiten für ihre Kommune, entwickelten Zukunftsvisionen und setzten diese kreativ in der digitalen Welt Minetest um. Dabei kristallisierten sich die Schwerpunktthemen Infrastruktur (insbesondere Mobilität und WLAN), Freizeitangebote sowie Einkaufsmöglichkeiten heraus.

Ideen in Minetest

Bild 1: Sportpark, Bild 2: Schwimmbad, Bild 3: Fußballstadion, Bild 4+5: McDonald’s
Bild 6: Stadtverschönerung, Bild 7: Kletterpark, Bild 8: Fernsehturm (besseres WLAN)
Bild 9: Beleuchtung am Fahrradweg, Bild 10: dm, Bild 11: Busverbindungen, Bild 12: Krankenhaus
Bild 13: Eisdiele, Bild 14: 24/7-Laden, Bild 15: Casino

Ideen in Minetest

Vom Ideen-Hub zur Umsetzung

Ideen-Hub im Stadlmannsaal

Mitte Mai kamen alle am Projekt beteiligten Schüler:innen zum Ideen-HUB im Stadlmannanwesen zusammen. Nach einer persönlichen Begrüßung durch den neu gewählten Bürgermeister Tobias Maget setzten sie sich intensiv mit den Ergebnissen der Schulworkshops auseinander und entwickelten daraus vier konkrete Projektvorschläge. In Kleingruppen beschäftigten sie sich mit den Themen Sportflächen, Stadtverschönerung und Grünanlagen, Naturbad und Ideen für den Jugendtreff.

Als zusätzliches sehr wichtiges Thema benannten die Jugendlichen Mobilität. Aufgrund der zahlreichen Ortsteile und der ländlich geprägten Struktur Freystadts sind viele Jugendliche in ihrer selbstständigen Fortbewegung eingeschränkt und auf Fahrdienste angewiesen. Die öffentliche Verkehrsanbindung wurde daher als zentrale Herausforderung beschrieben.
Im Austausch mit der Gemeindejugendpflegerin wurde deutlich, dass bereits verschiedene Ansätze diskutiert und erprobt wurden, die Thematik aufgrund ihrer strukturellen Rahmenbedingungen und dem eingeschränkten Kompetenzbereich der Kommune jedoch sehr komplex ist. Gemeinsam wurde deshalb entschieden, das Thema nicht in einer eigenen Projektgruppe weiterzuentwickeln, sondern Politik und Verwaltung die besondere Dringlichkeit des Anliegens nochmals ausdrücklich mitzugeben.

Abschlussveranstaltung

In der Abschlussveranstaltung am 18. Mai stellten rund 10 Schüler:innen ihre Ideen Politik und Verwaltung vor. Gemeinsam mit Expert:innen aus der Stadtverwaltung, Mitgliedern des Stadtrats und dem 2. Bürgermeister wurde besprochen, wie welche Ideen umgesetzt und weiterbearbeitet werden können.

1. Sportanlagen

Ausgangslage

An der Schule kommt es regelmäßig zu Konflikten bei der Nutzung des Soccer-Courts. Der bestehende Nutzungsplan funktioniert in der Praxis nicht zuverlässig und Klassenbälle verschwinden häufig.

Auch außerhalb der Schule besteht Unsicherheit darüber, welche Sportplätze öffentlich genutzt werden dürfen. Zudem fehlt ein Angebot für Calisthenics.

Konkrete Vorschläge

Um die sportlichen Möglichkeiten für junge Menschen zu verbessern, wurden folgende Ideen eingebracht:

  • Sportplätze insgesamt verbessern und erweitern
  • Mehr und qualitativ bessere Sportflächen schaffen
  • Das Buchungssystem für den Soccer-Court an der Schule verbessern
  • Langfristig einen zweiten Soccer-Court an der Schule errichten
  • Praktische Sofortmaßnahmen umsetzen:
    • Ballverleih (z. B. über den Hausmeister oder Ballboxen)
    • Bessere Ausstattung der Sportflächen
  • Aufbau eines Calisthenics-Angebots

Gemeinsamer Dialog

Im Gespräch bestand Einigkeit darüber, dass sowohl kurzfristige Verbesserungen an der Schule als auch langfristige Investitionen in die Sportinfrastruktur sinnvoll sind. Gleichzeitig wurde vereinbart, bestehende Sportangebote besser bekannt zu machen und die Konflikte an der Schule gemeinsam anzugehen.

Vereinbarte nächste Schritte

  1. Überarbeitung des Belegungsplans für den Soccer-Court an der Schule
  2. Anschaffung zusätzlicher Bälle für die Schule
  3. Bekanntmachung der Nutzungsmöglichkeiten weiterer Sportplätze
  4. Aufnahme des Themas Sportplätze in die nächste Jugendversammlung
  5. Bearbeitung der Konflikte an der Schule gemeinsam mit der Schulsozialarbeit

2. Stadtverschönerung und Park

Ausgangslage

Die Jugendlichen wünschen sich mehr Grünflächen und einen Ort, an dem sie sich aufhalten können, ohne andere zu stören oder selbst gestört zu werden. Der bestehende Bereich am Betzgarten bzw. Skaterpark wird zwar bereits genutzt, bietet jedoch nur eine geringe Aufenthaltsqualität. Es fehlen Schatten, Begrünung und ausreichend Sitzmöglichkeiten.
Der Wunsch nach attraktiveren Aufenthaltsorten wurde bereits bei früheren Jugendversammlungen geäußert. Damals wurden zusätzliche Sitzbänke und eine Überdachung am Skaterpark zugesagt, die bisher jedoch noch nicht umgesetzt wurden. Darüber hinaus spielt das Thema Stadtbegrünung angesichts zunehmender Hitze im Sommer eine immer wichtigere Rolle.

Konkrete Vorschläge

Im Mittelpunkt standen Ideen, um die Aufenthaltsqualität für Jugendliche im öffentlichen Raum zu verbessern:

  • Schaffung eines Parks oder eines attraktiven Treffpunkts für Jugendliche
  • Mehr Grünflächen und Bäume
  • Zusätzliche Sitzgelegenheiten und schattige Aufenthaltsbereiche
  • Umsetzung der bereits zugesagten Bänke und einer Überdachung am Skaterpark
  • Gestaltung eines Ortes zum Sitzen, Chillen und Treffen, an dem sich Jugendliche willkommen fühlen

Gemeinsamer Dialog

Im Austausch wurde deutlich, dass der Bedarf an attraktiven Aufenthaltsflächen für Jugendliche bereits seit längerem besteht. Gleichzeitig wurde über laufende Planungen informiert und besprochen, wie Kinder und Jugendliche künftig bei Begrünungsmaßnahmen beteiligt werden könnten.

Vereinbarte nächste Schritte

  1. Der Bauhof setzt die bereits zugesagten zusätzlichen Sitzbänke am Skaterpark noch im Jahr 2026 um.
  2. Für die Begrünung des Marktplatzes wird ein Konzept erarbeitet. Hierbei soll Kinder- und Jugendbeteiligung von Anfang mitberücksichtigt werden.
    • Bei Bedarf unterstützt die Fach- und Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung den Beteiligungsprozess.

3. Naturbad

Ausgangslage

Zu Beginn des Workshops stand der Wunsch nach einem Umbau des Naturbads zu einem klassischen Schwimmbad im Raum. Im gemeinsamen Austausch formulierten die Jugendlichen ihre Anliegen jedoch bewusst realistischer und konzentrierten sich auf Verbesserungen des bestehenden Naturbads. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und das Naturbad attraktiver für junge Menschen zu gestalten.

Konkrete Vorschläge

Die Jugendlichen brachten zahlreiche konkrete und gut umsetzbare Ideen ein:

  • Verbesserung der Beleuchtung
  • Mehr Bänke und Liegen
  • Aufstellung von Waldsofas
  • Schaffung weiterer schattiger Aufenthaltsbereiche
  • Bessere Informationen zur Wasserqualität
  • Möglichkeiten, Spiel- und Sportgeräte auszuleihen
  • Schülerrabatt am Kiosk

Gemeinsamer Dialog

Die Vorschläge wurden überwiegend positiv aufgenommen und als realistisch eingeschätzt. Im Gespräch konnten verschiedene Hintergründe, etwa zur Wasserqualität, zur Stromversorgung oder zur Preisgestaltung am Kiosk, erläutert werden. Gemeinsam wurde besprochen, welche Maßnahmen kurzfristig umgesetzt werden können. Besonders positiv war die Unterstützung durch viele Akteure, wie der Wasserwacht, der Stadtverwaltung und auch der Schule.

Vereinbarte nächste Schritte

  1. Ein Spielgeräteverleih über den Kiosk wird gemeinsam mit dem Kioskbetreiber geprüft und vermutlich bald umgesetzt.
  2. Die Wasserqualität soll künftig transparenter kommuniziert werden, beispielsweise über die Veröffentlichung auf der Internetseite.
  3. Neue Liegen könnten im Rahmen eines Schulprojekts gebaut werden.
  4. Die Möglichkeiten für eine verbesserte Beleuchtung werden geprüft und sollen voraussichtlich zeitnah umgesetzt werden.

4. Aktivitäten im Jugendzentrum

Ausgangslage

In den Schulworkshops wurde häufig der Wunsch nach vielfältigeren Freizeitangeboten geäußert. Gemeinsam mit der Gemeindejugendpflegerin, die auch das Jugendzentrum betreut, wurde überlegt, welche – oft kommerziellen – Freizeitangebote in angepasster Form auch im Jugendzentrum umgesetzt werden können. Ziel ist es, mehr attraktive und niedrigschwellige Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Freystadt zu schaffen.

Konkrete Vorschläge

Im Workshop bildeten sich zwei Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Gruppe 1: Gaming & Spielen

Die Jungen entwickelten Ideen rund um Gaming- und Spielangebote:

  • Anschaffung eines Arcade-Automaten
  • Selbstorganisierte Game- oder Casino-Nights
  • Anschaffung weiterer Spiele und passender Ausstattung

Gruppe 2: Mädchenprojekte & gemeinsame Aktionen

Die Mädchen legten den Schwerpunkt auf kreative und gemeinschaftliche Angebote:

  • Filmabende für Mädchen
  • Gemeinsame Cocktailabende
  • Einladungen an andere Jugendgruppen
  • Ferienfahrten
  • Graffiti-Projekte im Jugendzentrum
  • Weitere kreative Freizeitangebote

Der Fokus dieser Gruppe lag insbesondere auf Gemeinschaft, Austausch und der aktiven Mitgestaltung des Jugendzentrums.

Gemeinsamer Dialog

Viele der vorgeschlagenen Ideen erwiesen sich als realistisch und gut umsetzbar. Gemeinsam wurde konkret besprochen, welche Voraussetzungen für die einzelnen Projekte geschaffen werden müssen. Besonders positiv war die Unterstützung verschiedener Akteure – darunter die Schulsozialarbeit, die Schulleitung und Mitglieder des Stadtrats –, die ihre praktische Hilfe bei der Umsetzung zugesagt haben.

Vereinbarte nächste Schritte

  1. Es werden zwei Arbeitsgruppen zur  Weiterentwicklung der Ideen gegründet
  2. Für eine Poker- bzw. Casino-Night kann ein Pokertisch von der Schulsozialarbeit ausgeliehen werden.
  3. Es wird geprüft, welche Anknüpfungspunkte zum Ferienprogramm bestehen.
  4. Konkrete Freizeitangebote werden gemeinsam geplant und umgesetzt.
  5. Ein Stadtrat unterstützt den Bau eines Arcade-Automaten.

Bildergalerie

Ansprechperson

Pia Bittner
Pia Bittner
Bildung / Vernetzung / Beratung
T 01512 762 77 58