Einwohnerzahl: Knapp 302.000 Einwohner, davon rund 43.000 Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)
Kreisfreie Stadt
Regierungsbezirk: Schwaben
Augsburg ist die größte Kommune, die 2026 an den Digitalen Zukunftstagen teilgenommen hat. Hier fanden die Digtalen Zukunftstage zwischen Mitte März und Ende April 2026 statt. Hauptverantwortlich seitens der Kommune war Anna-Katharina Helwig von der Fachstelle Partizipation junger Menschen der Stadt Augsburg. Insgesamt nahmen zwei Schulklassen der Kapellen-Mittelschule sowie die 11. Klasse der FOS/BOS Lehrwerkstatt teil.
Augsburg verfügt über eine gut etablierte Beteiligungsstruktur für junge Menschen. Die Fachstelle Partizipation koordiniert die Aktivitäten stadtweit, ergänzt durch Beteiligungsmanager:innen in den Stadtteilen. Im Mittelpunkt steht ein jährlich stattfindendes Jugendforum, das auf den Ergebnissen vorbereitender Workshops aufbaut und die Umsetzung der Anträge gemeinsam mit Verwaltung und Politik begleitet.
Die Digitalen Zukunftstage ergänzten die bestehenden Beteiligungsangebote. Dabei zeigte sich, dass Jugendbeteiligung in Verwaltung und Politik bereits gut verankert ist: Projektideen wurden zielgerichtet weiterentwickelt und wichtige Akteur:innen der Stadt frühzeitig eingebunden. Die vielen Anknüpfungspunkte an bestehende Planungen und Aktivitäten versprechen eine zügige Umsetzung.
Im März fanden insgesamt drei medienpädagogische Schulworkshops statt. Darin beschäftigten sich die Jugendlichen mit Verbesserungsmöglichkeiten in ihrer Umgebung, entwickelten Zukunftsvisionen und setzten diese kreativ in der digitalen Welt Minetest um.
Da in unmittelbarer Nähe der Kapellenschule bereits im kommenden Jahr ein durch die Tessin-Stiftung finanzierter Bildungsmittelpunkt entstehen wird, wurden die Jugendlichen gezielt dazu angeregt, Ideen und Gestaltungsvorschläge für dieses Vorhaben zu entwickeln.
Auffällig war, dass der Fokus in Augsburg im Vergleich zu anderen Kommunen weniger auf Freizeitangeboten lag. Stattdessen entwickelten die Jugendlichen verstärkt Ideen zu sozialen und gesamtgesellschaftlichen Themen, etwa zu Obdachlosigkeit, Interkulturalität und dem Zusammenleben verschiedener Religionen.
Bild 1: Halal-Restaurant, Bild 2: Jugendvilla, Bild 3: Obdachlosenunterkunft, Bild 4: Third-Place Jugendtreff, Bild 5: Sport- und Freizeitpark, Bild 6: Dönerladen, Bild 7: Jugend Himmel, Bild 8: Polizeistation, Bild 9: Smartpoint Bildungs- und Freizeitort, Bild 10: Neues Obdachlosenheim, Bild 11: Haus des Friedens, Bild 12: Raucherbereich am Bahnhof, Bild 13: Obdachlosenheim, Bild 14: Brücke über den Lech, Bild 15: Der Lech-Tunnel
Mitte April fanden in Augsburg zwei Ideen-Hubs statt, jeweils an einer der teilnehmenden Schulen. Ziel war es, die in den Schulworkshops entwickelten Ideen gemeinsam mit Fachleuten aus Verwaltung und Zivilgesellschaft weiter auszuarbeiten.
An der Kapellen-Mittelschule wurden die Projekte Brücke über den Lech, Döner- und Halalessen in der Schule sowie Bildungsmittelpunkt bearbeitet. Letzteres gliederte sich in die Themen „Raum für Religionen“ und „Räume für Lernen und Gemeinschaft“. Unterstützt wurden die Jugendlichen dabei von einer Expertin für den geplanten Bildungsmittelpunkt sowie der Jugendbeteiligungsmanagerin Nord.
An der FOS/BOS begleiteten eine Mitarbeiterin des Baureferats sowie eine Expertin von bauwärts die Projektgruppen. Da viele Ideen an die Planungen des Projekts Max 59 – einem Bildungs-, Kunst- und Kulturhaus der Tessin-Stiftung – anknüpften, konnten diese direkt in die laufende Jugendbeteiligung einfließen. Im Ideen-Hub wurden insbesondere die Projekte Zentraler Sportplatz, Obdachlosigkeit und Jugendtreff weiter ausgearbeitet.
Ausgangslage
Die Jugendlichen wünschen sich eine zentral gelegene, moderne Sport- und Freizeitfläche, die sowohl für sportliche Aktivitäten als auch als Treffpunkt genutzt werden kann. Zwar gibt es bereits eine Anlage, die viele dieser Anforderungen erfüllt, sie liegt jedoch aus Sicht der Jugendlichen nicht zentral genug und ist deshalb nur eingeschränkt attraktiv.
Bereits während des Ideen-HUBs wurden die Jugendlichen von einer Mitarbeiterin des Bauamts bei der Ausgestaltung ihrer Ideen beraten und über bestehende Möglichkeiten informiert.
Konkrete Vorschläge
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer vielseitig nutzbaren Sport- und Freizeitfläche.
Gewünscht wurden insbesondere:
Gemeinsamer Dialog
Im Gespräch wurde deutlich, dass es eine realistische Möglichkeit gibt, eine geeignete Freifläche künftig als Sport- und Freizeitfläche zu entwickeln. Das Anliegen der Jugendlichen wurde ernst genommen und gemeinsam wurde besprochen, welche Umsetzungsmöglichkeiten bestehen. Dabei konnten die bereits laufenden Planungen mit den Ideen aus dem Workshop verknüpft werden.
Vereinbarte nächste Schritte
Ausgangslage
In den Schulworkshops wurde durch eine Gruppe eine Brücke und ein Tunnel unter dem Lech gebaut. Obwohl es schon sehr viele Brücken in Augsburg gibt, machten die Jugendlichen auf eine Stelle aufmerksam, an der aus ihrer Sicht eine Querungsmöglichkeit über den Lech fehlt.
Konkrete Vorschläge
Die Jugendlichen schlugen den Bau einer zusätzlichen Brücke über den Lech vor. Ziel ist es,
Darüber hinaus wurde angeregt, die Bedürfnisse von Fahrrad- und E-Scooter-Nutzenden bei zukünftigen Verkehrs- und Mobilitätsplanungen stärker zu berücksichtigen.
Gemeinsamer Dialog
Im Austausch wurde die Idee gemeinsam auf ihre Umsetzbarkeit hin betrachtet. Dabei wurde deutlich, dass ein solches Vorhaben umfassend geprüft werden muss. Gleichzeitig bestand Einigkeit darüber, dass die Perspektive junger Menschen sowie die Anforderungen des Rad- und E-Scooter-Verkehrs bei zukünftigen Planungen stärker berücksichtigt werden sollten.
Vereinbarte nächste Schritte
Ausgangslage
Das Thema Obdachlosigkeit wurde in beiden Workshops unabhängig voneinander eingebracht und hatte damit eine besondere Bedeutung für die teilnehmenden Jugendlichen. Ausgehend von der ursprünglichen Idee, ein Obdachlosenhaus zu bauen, entwickelte sich im weiteren Verlauf eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Ursachen und möglichen Lösungsansätzen.
Konkrete Vorschläge
Die Jugendlichen formulierten verschiedene Ansätze, um die Situation von obdachlosen Menschen zu verbessern:
Gemeinsamer Dialog
Im Austausch wurde deutlich, dass sich die Jugendlichen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben und neben konkreten Hilfsangeboten auch gesellschaftliche Aspekte wie Teilhabe und Stigmatisierung in den Blick nehmen. Das Anliegen wurde von den zuständigen Vertretungen ernst aufgenommen.
Vereinbarte nächste Schritte
Ausgangslage
Noch 2026 startet der Bau eines „Bildungsmittelpunkts“ in unmittelbarer Nähe der Kapellenschule. Im Schulworkshop beschäftigten sich zwei Projektgruppen mit der Gestaltung des geplanten Neubaus. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, welche Angebote und Räume notwendig sind, damit die Jugendlichen sich hier wohl fühlen können. Parallel entwickelte eine weitere Gruppe die Idee eines interkulturellen Hauses des Friedens. Im Ideen-HUB wurden beide Ansätze zusammengeführt.
Konkrete Vorschläge
Die Jugendlichen entwickelten Ideen für einen Ort, der Bildung, Begegnung und interkulturellen Austausch miteinander verbindet:
Die Idee eines interkulturellen Hauses des Friedens soll dabei als Bestandteil des Bildungsmittelpunkts weitergedacht werden.
Gemeinsamer Dialog
Im Austausch wurde deutlich, dass der Bildungsmittelpunkt nicht nur als Bildungsort, sondern auch als Raum für Begegnung, Vielfalt und gegenseitiges Verständnis gedacht werden kann. Die vorgestellten Ideen wurden positiv aufgenommen und ihre Integration in die weitere Planung als grundsätzlich vorstellbar bewertet.
Vereinbarte nächste Schritte
Ausgangslage
In den Schulworkshops erstellten die Jugendlichen in Minetest mehrere Bauwerke als Treffpunkte für Jugendliche, die sie anschließend im Ideen-HUB unter anderem zu dem Projekt „Jugendtreff 3. Plazz“ weiterentwickelten. Viele der entstandenen Ideen knüpften an die Planungen des Projekts „Max 59“ an und konnten so direkt in den hier stattfindenden Beteiligungsprozess einfließen. Gleichzeitig wurde deutlich, welche Wünsche im Rahmen dieses Projekts nicht erfüllt werden können und daher an anderer Stelle aufgegriffen werden müssen.
Konkrete Vorschläge
Die Jugendlichen formulierten zwei zentrale Anliegen:
Gemeinsamer Dialog
Der Austausch mit den zivilgesellschaftlichen Trägern erwies sich erneut als sehr gewinnbringend. Die Jugendlichen erhielten einen Überblick über bereits bestehende kostenfrei nutzbare Räume und konnten Kontakte zu den zuständigen Akteurinnen und Akteuren knüpfen. Dadurch wurden konkrete Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung ihrer Ideen geschaffen.
Vereinbarte nächste Schritte